Jetzt ist ja die ganze Geschichte öffentlich und ich habe einiges nur überflogen, anderes aber konkret durchgelesen. Und es gibt da noch ganz grosse Fragezeichen.
Zuerst sind die Kabelparameter aufgelistet und was welchen Einfluss haben kann. Da es sich beim Test um symmetrische Studioverkabelung handelt, ist das Problem mit der Störeinstrahlung weit geringer als im asymmetrischen Hifi-Bereich. Wir können also die Ergebnisse nicht einfach übernehmen, sondern müssen die Abschirmung mit berücksichtigen. Und ich habe es in meiner Kabelbetrachtung schon ewähnt, dass Störungen einstrahlen können. Diese müssen sich nicht nur in Brummen oder Sirren äussern, sie können durchaus auch in Form von HF-Einstrahlungen geschehen, die im Grunde unhörbar sind. Diese Einstrahlungen können aber die Funktion des nachfolgenden Verstärkers beeinträchtigen, sodass erst beim Zusammenwirken von Musik- und Störsignalen hörbare Beeinflussungen entstehen.
Dies ist also schon mal nicht berücksichtigt worden.
Dann wurde zu Recht erklärt, was Silber und Kupfer für einen Unterschied macht und es wurde auch erwähnt, wie das Kupfer für die Drähte hergestellt wird. Dass es dabei nicht möglich ist, den Sauerstoff zu 100% aus dem Kupfer fern zu halten, wurde nicht erklärt. Wenn man sich aber mit einem (ich nenn es mal) "Metallkenner" unterhält, so bestätigt dieser, dass es sauerstofffreies Kupfer nicht gibt.
Wenn ich dann die Kabelbeschreibungen lese, so steht:
Zitat:Kabel G ist ein Mikrofonkabel mit Reinsilberkern und einer speziallackbeschichteten Kupferumhüllung. Es ist durch Baumwollstränge verstärkt und verfügt über eine OFC-Schirmung (Oxigen Free Copper), eine leitende PVC-Lage pro Ader mit dielektrischer PE-Isolation, eine Spezialfolie, die den Schirm schützt und schließlich einen hochflexiblen PVC-Mantel.
Kabel H ist ein Studio-Mikrofonkabel mit vieradriger Konfektionierung und einem extrem dichten OFC-Spiralschirm. Jede Ader (OFC) ist mit einer XLPE-Kunststoffisolierung überzogen.
I
Kabel I ist ein Studiomikrofonkabel mit doppelter Kupferschirmung und zwei OFC-Adern (oxydationsfrei) mit 0.22 m2 Querschnitt.
Dieses OFC-Gesülze (oder meinten die damit, siehe oxydationsfrei, dass die Drähte noch nicht schwarz oder voller Grünspan sind?) ist für die Katz. Was aber fehlt sind die Angaben, welche Widerstände, Kapazitäten und Induktivitäten die Kabel haben und wie hoch das Schirmmass ist.
Oder es wird an anderer Stelle von Strom- und Spannungsanpassung geschrieben und solches behauptet:
Zitat:Ähnlich, wenn auch umgekehrt, ist es bei der Stromanpassung. Der Widerstand des Verbrauchers wird nie tatsächlich 0 Ohm betragen. Hier kommt man dem Ideal umso näher, je niedriger der Widerstand des Verbrauchers ist.
Dabei kann man sowohl an einem Eingang wie auch an einem Ausgang eine Schaltung mit nicht nur 0 Ohm, sondern mit einem negativen Widerstand einsetzen. Wenn der Herr, der dieses ganze Geschreibse verfasst hat, dieses minimale Wissen nicht hat, soll er sich bei Böde melden, aber nicht im Studiomagazin wirken.
Weiter erstaunt mich, dass da Versuche mit elektronisch symmetrierten und trafosymmetrierten Schaltungen durchgeführt wurden. Das ist im Grunde richtig und würde gerade im letzteren Fall Unterschiede als Folge der Kapazität zutage fördern. Nur müsste man nicht nur mit gefühlten Veränderungen beglückt werden, sondern mit Fakten. Wenn es Fakten gibt, so sind diese zu benennen. Und wenn es um Gefühle geht, so gehören diese in einen Liebesroman.
Wären jetzt die Aussagen der Tester öffentlich, so könnte ich z.B. feststellen, was für Unterschiede ein bestimmtes Kabel in der elektronischen oder der Trafo-Betriebsart ausgelöst hat. Man muss doch einfach wissen, wie die Auswirkungen ausgesehen haben und ob sie überhaupt glaubwürdig und möglich sind.
Es wird ja beschrieben, wie der Verfasser selbst zu Ergebnissen gekommen ist. Bei einem bestimmten Stück hat er auf die Basswiedergabe geachtet. Nun ändert ein Kabel nachweislich nichts an der Basswiedergabe, es kann das nicht. Aber es kann Einfluss auf die Höhenwiedergabe haben. Läuft nun in besagtem Musikstück nicht nur ein Bass, sondern dieser wird von einem Piccolo begleitet, so spielt die Höhenwiedergabe eine Rolle auf den Bass, weil dieser leiser wirkt, wnn die Höhen lauter und schärfer klingen. Ist das Piccolo durch die Höhendämpfung des Kabels aber diskret, wirkt der Bass stärker.
Dies ist nur ein Beispiel, was musikalisch und hörmässig Einfluss hat. Und wenn man sich momentan gerade auf die Ortungsschärfe konzentriert (die durch Phasenfehler beeinträchtigt wird, welche aber erst im Hochtonbereich oberhalb 5kHz durch die Kabell auftreten, wo sie nicht mehr gehört und ausgewertet werden und wo es auch praktisch keine Ortung mehr gibt), so kann man sich nicht gleichzeitig auf ein anderes Kriterium konzentrieren. Damit ist nicht sicher gestellt, dass jeder Tester bei jedem Kabel die klanglichen Auswirkungen gleich oft an der gleichen Musikstelle verglichen hat.
Und was ich besonders vermisse, das sind Messungen mit den Kabeln. Möglich wäre eine Differenzmessung, indem auf zwei Kabel das selbe Signal gegeben wird und die Kabelausgänge subtrahiert werden. Wenn an so einem Differenzverstärker nichts raus kommt, so gibt es keine Differenz der Signale und somit auch nichts zu hören. Ist da aber eine Differenz, so kann man diese verfolgen und erklären.
Durch die ganze Art der Durchführung und vor allem dadurch, dass der Verfasser die Aussagen der Tester in ein Punktesystem umgemünzt hat, ist jede Ausschaltung der Individualität verloren. Es reicht nicht, eine gute Umschaltbox zu bauen, wenn die restlichen Kriterien zu wenig berücksichtigt werden. Damit ist in meinen Augen dieser Test weitgehend wertlos. Er zeigt einmal mehr, dass im Audiobereich Kabel Einflüsse haben sollen, die sie im Videobereich nie haben. Nun frage ich einfach mal, wie weiss das Kabel, dass es für Audio eingesetzt wird und nicht für etwas anderes?
Dass der letzte Teil des Berichtes erst geschrieben werden konnte, als der Test gelaufen war, ist verständlich. Und da ich 20 Jahre Studioerfahrung habe, weiss ich, dass es da Leute gibt wie im Hifibereich, die an undenkbare und unbewiesene Klangeinflüsse glauben, während andere der Physik mehr trauen als ihren Ohren. Wenn man nun den Bericht so abschliesst wie geschehen, hat er zwar keine Aussagekraft, aber man tritt niemandem auf die Zehen. Und somit hätte der Bericht nicht geschrieben werden müssen. Die Menschheit würde nichts vermissen und wäre auch nicht dümmer...