Das www und die Politik - Zensur durch die Hintertür ?!
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florida4sale
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#1
25.03.2009, 16:01

Die Büchse der Pandora ist geöffnet

Kabinett beschließt Eckpunktepapier zu Internetsperren

Bitkom jetzt mit Plan für Internetsperren einverstanden

Das Bundeskabinett hat ein Eckpunktepapier von Familienministerin Ursula von der Leyen zur Errichtung von Internetsperren verabschiedet.
"Damit ist die nötige Voraussetzung geschaffen worden, um eine schnelle gesetzliche Lösung zum Schutz unserer Kinder zu erreichen", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Auch der Bitkom ist einverstanden.

Das Bundeskabinett hat am 25. März 2009 beschlossen, eine rechtliche Grundlage für die umstrittenen Internetsperrungen zu schaffen.

Alle deutschen Internet Service Provider sollen laut Eckpunktepapier verpflichtet werden, den Zugang zu hier der ganze Artikel.

snip
...Statt Kinderpornografie wirksam zu bekämpfen, werde das Gesetz als Einfallstor für die nationale Zensur des Internets dienen...
/snip
Und gleich noch die passende Meldung nachgelegt:

"Von China lernen heiß Siegen lernen ... oder was?"

China sperrt Youtube
Bislang keine offiziellen Angaben zum Grund der Sperre
Der Artikel dazu hier.
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.2009, 16:08 von florida4sale.)
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Wu
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#2
26.03.2009, 00:12

Das ist ein schwieriges Thema. Wenn man die Maßnahmen in Frage stellt, gerät man (zu) schnell in den Verdacht der Unterstützung. Anderseits ist klar, dass der von der Politik gewünschte Effekt nur teilweise eintritt. Es gibt zu viele Umgehungsmöglichkeiten und das Problem wird nicht an der Wurzel (den Wurzeln) angepackt. Die Wurzeln sind wiederum nur schwer zu packen, weil sie sonstwo auf der Welt ihren Unrat ins Netz stellen. Und weil das "Publikum" erschreckend breit gestreut sein muss.

Was soll man also tun? Das Ganze so weiterlaufen lassen oder doch mit solchen Schritten anfangen, auch wenn der Verdacht von Zensur aufkommt und die Zugangsperrungen sich "versehentlich" auf eigentlich saubere Sites auswirken können?

Die "optimale" Lösung gibt es wohl momentan nicht.

Von daher kann ich das Vorgehen der Politik ein Stück weit nachvollziehen. Es darf nur nicht der einzige Schritt bleiben, letztendlich ist es ein internationales Problem und muss auch so angegangen werden, was die Verfügbarmachung im Netz angeht und die "Produzenten" des Materials.

Und es ist ein jeweils nationales oder auch lokales Problem, was die "Konsumenten" angeht - hier sind Therapieangebote (erste Ansätze gibt es), Sozialarbeit, "Früherkennung" etc. viel mehr gefordert, als es bisher der Fall ist. Denn wenn man lediglich die Quellen im Netz ausrottet, ohne die Konsumenten von ihren Neigungen abzubringen, verlagert man das Problem nur.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.03.2009, 00:14 von Wu.)
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florida4sale
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#3
27.03.2009, 13:50

EU-Parlament gegen Internetsperren und Onlinezensur

Grundfreiheiten sollen für alle Internetnutzer gelten

In der Debatte um das Telekom-Paket hat sich das EU-Parlament gestern für die Bürgerrechte im Internet stark gemacht. In einer Erklärung wird überbordenden Überwachungsmaßnahmen ebenso eine Absage erteilt wie dem exzessiven Schutz geistiger Eigentumsrechte.

Es steht viel auf dem Spiel.

Denn der Ausgang des europäischen Tauziehens um das Telekom-Paket wird entscheidenden Einfluss darauf haben, mit welchem Internet es die Europäer in Zukunft zu tun haben.

Wird jeder jederzeit und in jedem Onlinewinkel überwacht, wie es sich manche britische Politiker wünschen? Werden mutmaßliche Urheberrechtsverletzer mit einer Internetsperre bestraft, wie es der französische Präsident Sarkozy fordert? Brauchen Blogger bald eine Lizenz zur Meinungsäußerung, wie es italienische Politiker planen? Führt eine versehentliche Patentverletzung auf der privaten Homepage auf direktem Weg ins Gefängnis, wie es möglicherweise im Rahmen der streng geheimen Verhandlungen zum geplanten, internationalen Anti-Piraterie-Abkommen ACTA diskutiert wird?

Das hängt auch davon ab, welche Gestalt das EU-Telekom-Paket in den nächsten Wochen annehmen wird. Am 26. März 2009 haben sich die Mitglieder des EU-Parlaments auf grundsätzliche Verhandlungspositionen geeinigt.

Keine Zensur der freien Meinungsäußerung

Geht es nach dem EU-Parlament, wird das Internet auch in Zukunft ein freiheitliches Medium bleiben. Weder wird es willkürliche Zensurmaßnahmen noch willkürliche Onlinedurchsuchungen geben. Journalisten sollen recherchieren und berichten dürfen, ohne permanent die Keule des Strafrechts fürchten zu müssen. Die Europäer sollen weiterhin frei ihre Meinung äußern dürfen, auch anonym. Eine Zensur von Suchmaschinen lehnt das EU-Parlament ab, "besonders, wenn diese einen abschreckenden Effekt auf politische Meinungsäußerungen haben kann".

Weiter fordert das Parlament:
Staatliche Maßnahmen, die in Freiheitsrechte eingreifen, dürften nur auf gesetzlicher Grundlage und unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit angeordnet werden. Den Bürgern sollen wirksame Mittel an die Hand gegeben werden, um ihre Identität online zu schützen. Es soll einen Löschungsanspruch für Dokumente und Datenspuren geben.

Das EU-Parlament lehnt eine präventive Überwachung aller Onlineaktivitäten zur Aufdeckung der Verletzung geistiger Eigentumsrechte strikt ab.
Zwar wird dem EU-Rat empfohlen, "die Verabschiedung der Richtlinie über strafrechtliche Maßnahmen zur Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte voranzutreiben".
Es wird aber ebenso gefordert, zuvor "im Lichte der modernen Erkenntnisse der Innovationsforschung zu untersuchen, in welchem Umfang [strafrechtliche Maßnahmen] notwendig und angemessen sind". Der EU-Rat solle die "systematische Überwachung aller Onlinenutzeraktivitäten verbieten" und dafür Sorge tragen, dass "Strafen den verübten Verletzungshandlungen angemessen sind".

Im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Durchsetzungsrichtlinie müssten "die Rede- und Versammlungsfreiheit der Internetnutzer respektiert werden". Unter der Bekämpfung von Anreizen für die "Cyber-Verletzung von geistigen Eigentumsrechten" versteht das Parlament auch die Bekämpfung von "exzessiven Zugangsbeschränkungen, die von den Rechteinhabern selbst stammen".
[Quelle: golem.de]
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kölsche Jung
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#4
27.03.2009, 15:40

ist doch alles nur wieder ein Beispiel dafür, dass unsere Volksvertreter nicht den geringsten Schimmer haben, was Sie da beschließen ...
wenn ich auf irgendeine in Deutschland"verbotene" Seite zugreifen will geh ich einfach über einen im Ausland stehenden Proxyserver ... die dafür notwendigen Daten sind in 10sec ergoogelt ....

mal wieder völlig sinnfreier Aktionismus

klaus
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Gaspode
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#5
27.03.2009, 16:53

(27.03.2009, 15:40)kölsche Jung schrieb: ist doch alles nur wieder ein Beispiel dafür, dass unsere Volksvertreter nicht den geringsten Schimmer haben, was Sie da beschließen ...
wenn ich auf irgendeine in Deutschland"verbotene" Seite zugreifen will geh ich einfach über einen im Ausland stehenden Proxyserver ... die dafür notwendigen Daten sind in 10sec ergoogelt ....

mal wieder völlig sinnfreier Aktionismus

klaus

Ich denke weniger Aktionismus als das in dem ersten Artikel erwähnte Einfalltor für die Internetzensur.
Wichtig ist bei dem Gesetz weniger die wirksamkeit der Maßnahme, sondern das man eine Rechtsgrundlage für die Zensur des Internets hat.
Wenn man ersteinmal so eine Rechtsgrundlage geschaffen hat, kann man damit auch mit der Zeit sicherlich auch noch wesentlich mehr Zensieren als Kinderpornographie.
Mal sehen wie lange es nachdem das Gesetz durchgesetzt wurde noch dauert bis man auch Seiten mit bedenklichen Politischen Inhalten sperrt.
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Wu
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#6
27.03.2009, 18:03

Die Gleichsetzung mit Internet-Zensur im Allgemeinen kann ich nicht teilen. Man sollte nicht nur die Freiheit des Internets, sondern auch die Situation der Opfer bedenken - welche Freiheitsmaßstäbe gelten für diese? Ansonsten - siehe oben...
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florida4sale
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#7
27.03.2009, 21:59

XBox 360-Besitzer werden ihn kennen.
Hier seine private Meinung zu dem Geplanten:

Eigentlich hatte ich mir geschworen, nach den tragischen Ereignissen von Winnenden keinen darauf passenden Blog-Post zu schreiben. Ich dachte, alles was ich zum Thema sagen mag, ist gesagt und außerdem kommt wieder irgendein Idiot und zitiert aus diesem Blog als “Meinung von Microsoft” und bringt damit mich, Microsoft und insbesondere den BIU in Schwierigkeiten. Daher der vorauseilende Disclaimer: Hier schreibt der Privatmann Schneider-Johne, zitieren Sie mich gerne, aber als Privatperson und nicht als Mitarbeiter einer Firma oder der Spieleindustrie.

Samstag juckte es schon sehr gewaltig in den Fingern, als gerade Spiegel Online anfing, die Berichterstattung auf sehr absurde Weise zu verzerren und damit meine Meinung zum Spiegel Online doch sehr erschütterte (gleich dazu mehr). Trotzdem habe ich nichts geschrieben. Aber als ich gerade auf Heise.de lesen mußte, daß die Stadt Stuttgart tatsächlich das nächste “Intel Friday Night Game” untersagen/verbieten lassen will, weil da Counterstrike gespielt wird, muß ich jetzt ein Sicherheitsventil öffnen und Druck ablassen.

Also, schön chronologisch: Wenn sechs Familien aus Winnenden in einem offenen Brief ein weitgehendes Waffenverbot und Einschränkungen beim Sportschießen, ein Fernseh-Gewalt-Verbot, ein Killerspiel-Verbot, eine Internet-Chat-Überwachung und eine Einschränkung der Berichterstattung über Amokläufer fordern, dann gibt es keinen, aber auch wirklich keinen objektiven Grund, als Überschrift: “Opferfamilien aus Winnenden verlangen Killerspiel-Verbot” zu nehmen. Da hat der Autor oder Redakteur seine private Meinung vor eine objektive Nachricht gestellt.

In Ihrer Gesamtheit finde ich den Brief der sechs Familien mutig und als Gesamtkatalog ja sogar einen sehr ausgewogenen Wunsch. Insbesondere, weil “Gewalt verherrlichende” Spiele in Deutschland sowieso verboten sind, seit langer Zeit, mit Strafgesetzbuch § 131. Ja, der Begriff ist dehnbar, aber es wurden harte Brocken von Spielen durch diesen Paragraphen aus dem deutschen Handel getilgt. Man muß sagen: Der Wunsch der Eltern wird durch die deutsche Gesetzeslage bei Spielen im Augenblick weitgehend erfüllt.

Das insbesondere der Punkt “Weniger Berichterstattung” von Spiegel Online geradezu mit den Füßen getreten wurde, zeigt mal wieder auf die alte “Ich unterstütze gerne ein Verbot, solange es mich nicht selbst betrifft”-Haltung von Politikern und jetzt auch Medien hin. Am Tag des Amoklaufes hatte das ZDF in Sondersendungen und Heute Journal zwei (!) Psychologen, die beide auf die Frage “Warum immer mehr solche Amokläufe?” recht klar darlegten, daß durch intensive Berichterstattung auch der kleinsten Details des Tatablaufs in den Medien eine Nachahmung erst ausgelöst werden kann. Hat das Heute Journal aber nicht daran gehindert, trotzdem weiter möglichst viel zu berichten. Oder wenn bei Spiegel Online zitiert wird, daß die sechs Familien die Nennung des Täters mit Foto kritisieren, wird einen Absatz später trotzdem der Täter mit vollem Namen genannt. Aaalso: Killerspiele bitte verbieten, sind ja die Eltern dafür, aber die Berichterstattung, die werden wir nicht einschränken, denn wir sind ja eine freie Presse und die Leute haben ein Recht auf Information!

In dem angesprochenen Dreieck von “Zugriff auf Waffen”, “Berichterstattung über andere Amokläufe” und “Gewalthaltige Medien” hatten letztere den geringsten direkten Einfluß auf die Tat. Ohne Waffe wäre es sowieso nicht dazu gekommen, ohne ständiges Wiederkäuen des genauen Tatablaufs in Columbine oder in Erfurt käme ein suizidgefährdeter Jugendlicher gar nicht auf die Idee, eine noch größere Tat konkret zu planen oder andere nachzuahmen. Und diesesmal: Noch detaillierter, mit dem ganzen Instrumentarium von Flash-Timelines und Google-Maps und bezahlten Interviews mit Jugendlichen, damit man irgendwas im Fernsehen zeigen kann. Liebe Medien, wenn in den nächsten Jahren sich wieder einer noch blutiger durch eine Schule oder schlimmer ballert, dann habt ihr ihm in den letzten Tagen genau gezeigt, wie man’s macht und daß ihr gerne auch noch Statements, Abschiedsbriefe oder Webseiten des Amokläufers veröffentlichen würdet, würde es denn welche geben – so verzweifelt wie ihr dieses Mal danach gesucht, aber nichts echtes gefunden habt.

Eines hat mir diese Episode aber gezeigt: Es ist keine Bösartigkeit und kein Hass, der Politiker und Medien auf die Barrikaden gegen Computerspiele treibt. Es ist schlicht und einfach die Tatsache, daß diese Medien im Leben der genannten Personen einfach keinerlei Rolle spielen und sie sie einfach grundlegend nicht verstehen. Das sind Verbotsforderungen noch nicht mal aus Dummheit, sondern aus Naivität.

Ganz abgesehen von einer Wirkungsdiskussion, die man jetzt sehr lange führen könnte, gibt es aber ein ganz anderes Problem welches die Verbots-Anhänger auch gar nicht sehen können, weil sie die Tragweite des Mediums nicht verstehen. Die sind nicht im digitalen Zeitalter angekommen und merken nicht, daß ein “Verkaufs- und Herstellungs-Verbot” vollkommen wirkungslos (und schlimmstenfalls sogar noch anfeuernd) ist.

Was war die Empörung groß, als im Olympischen Pressezentrum in Peking nicht jede beliebige Internet-Seite aufgerufen werden konnte. Und prompt gab es die Anleitungen, wie man sich mit Tor-Proxys und VPN-Tunnels trotzdem sein Recht auf Informations-Freiheit beschaffen konnte.

Großhirn an Politiker: Genau mit den gleichen Tricks holen sich die Kids, die eh technisch zehnmal fixer sind als ihr, genau die Inhalte, die Ihr verbieten wollt.

Und selbst wenn ihr die Schotten im Internet irgendwie völlig dicht macht: Es sind hunderttausende Counter Strikes auf deutschen Festplatten und in deutschen Jugendzimmern. Außer die Länder schicken jetzt ihre Polizei von Tür zu Tür, PC-Kontrollen machen, kriegt ihr mit einem Verbot von Counter Strike und Co nicht eine einzige Kopie aus deutschen Kinderzimmern. Im Gegenteil: Die “Beschaffungskriminalität” auf dem Schulhof, wo man sich gegenseitig die guten selbstgebrannten CDs hin und her reicht, wird dafür sorgen, daß eher mehr als weniger Kids mit dem Zeug in Berührung kommen.

Der Geist ist aus der Flasche und ihr kriegt ihn nicht mehr rein. Wenn ihr die Jugend “verbessern” wollt, müsst ihr nicht verbieten – sondern bieten. Bessere Bildungsangebote, mehr Freizeitangebote und deutlich mehr Unterstützung für Eltern.

Und jetzt zurück zu Stuttgart. Hey, nicht mal die Spielverbieter-Vorreiter von der CSU haben es in Erwägung gezogen, die Intel Friday Game Night in München letzten Freitag zu verbieten (vielleicht, weil Intel sein Hauptquartier im Osten von München hat). Aber mal ein heißer Tip: Auf Eurem Frühlingsfest vom 11. April gibt es laut aktueller Ausstellerliste: 2x Fotoschießen, 2x Korkenschießen, 3x Pfeilwerfen, 1x Pistolenschießen und 7x Röhrchenschießen. 15 Schießbuden also und ich erwarte jetzt bitte morgen eine Mitteilung des Bürgermeisters, daß auch diese 15 Schießbuden dieses Jahr nicht teilnehmen dürfen – alleine schon wegen Ostern und seiner christlichen Bedeutung. Und dann könnt ihr meinetwegen auch die ESL aus eurer Stadt jagen. Über den Olympia-Stützpunkt für Sportschützen in Pforzheim reden wir dann später.

Verbietet weitgehend Waffen, verbietet Tatort, CSI und Cobra 11 im deutschen Fernsehen und Torture-Porn im Kino und auf DVD, schränkt die Pressefreiheit bei Gefahr von Nachahmungstaten ein, sperrt das Internet in Deutschland radikal ab und dann kommt noch mal wieder und verschärft dann den härtesten Jugendschutz bei Spielen in Europa nochmal weiter. Vorher lohnt es sich nicht.

Achja, über Alkohol hatten wir heute auch noch nicht geredet…
[Quelle: dreisechzig.net]

Dem ist NICHTS hinzuzufügen !
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.03.2009, 22:00 von florida4sale.)
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kölsche Jung
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#8
28.03.2009, 14:15

(27.03.2009, 16:53)Gaspode schrieb:
(27.03.2009, 15:40)kölsche Jung schrieb: ist doch alles nur wieder ein Beispiel dafür, dass unsere Volksvertreter nicht den geringsten Schimmer haben, was Sie da beschließen ...
wenn ich auf irgendeine in Deutschland"verbotene" Seite zugreifen will geh ich einfach über einen im Ausland stehenden Proxyserver ... die dafür notwendigen Daten sind in 10sec ergoogelt ....

mal wieder völlig sinnfreier Aktionismus

klaus

Ich denke weniger Aktionismus als das in dem ersten Artikel erwähnte Einfalltor für die Internetzensur.
Wichtig ist bei dem Gesetz weniger die wirksamkeit der Maßnahme, sondern das man eine Rechtsgrundlage für die Zensur des Internets hat.
Wenn man ersteinmal so eine Rechtsgrundlage geschaffen hat, kann man damit auch mit der Zeit sicherlich auch noch wesentlich mehr Zensieren als Kinderpornographie.
Mal sehen wie lange es nachdem das Gesetz durchgesetzt wurde noch dauert bis man auch Seiten mit bedenklichen Politischen Inhalten sperrt.

ich geb dir ja recht, sicher ist es der anfang von I-Net-Zensur, aber es funktioniert nicht ..... die Inhalte einfach auf ausl. Server, schon hat der deutsche Staat nix mehr zu verbieten.
Der Zugriff kann über deutsche Anbieter gesperrt werden, aber dann gehe ich einfach über einen ausländischen Proxyserver (kostenfrei!), die StaatsKontrolleure merken gar nicht mehr, was ich mir angucke ...
Da müsste schon der Zugriff auf ausl. Seiten generell verboten werden .... und soweit werden wir wohl nicht kommen....hoffentlich (dann würde nur noch auswandern helfen!)

klaus
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Lion13
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#9
28.03.2009, 14:30

Auch in meinen Augen ist das Vorgehen vor allem unserer allseits beliebten Familienministerin blinder Aktionismus - in dem Vertrauen, daß das "heiße Eisen" Kinderpornografie niemand ernsthaft angehen wird, um nicht sofort in eine dunkle Ecke gestellt zu werden...

Dabei läßt es sich - wie hier schon beschrieben - schnell und mit einfachsten Mitteln umgehen, aber das ficht die Verantwortlichen (natürlich!) nicht an - Hauptsache, man hat Handlungsfähigkeit demonstriert! Angry

Und ich sehe in diesem Vorhaben auch den Einstieg in die I-Net-Zensur - das weckt nicht nur bei den Behörden Begehrlichkeiten, sondern natürlich auch bei der Musik- und Filmindustrie. Wenn die Hürden erst einmal gefallen sind, ist IMHO die Gefahr eines Zensur-Flächenbrandes schneller gegeben als sich die meisten Leute vorstellen können.

Das gleiche gilt für die absolut vorhersahbaren, immer gleichen unsinnigen, weil reflexhaften Forderungen nach Winnenden - Horrorfilme, Killerspiele, Waffen... Das alles ist gesetzlich hervorragend (und in Deutschland überaus streng!) geregelt, nur mangelt es wie üblich an der Durchsetzung bzw. Kontrolle. Was ich an der ganzen Geschichte wirklich bemerkenswert finde, ist eben die gleichfalls bemerkenswerte Unwissenheit der Verantwortlichen - kann es wirklich so schwer sein, im Umkreis einer Behörde wirkliche Fachleute zu Wort kommen zu lassen, und nicht nur solche, die - mit Verlaub gesagt - von der Materie so viel Ahnung haben wie eine Kuh vom Seiltanzen... Confused
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Wu
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#10
28.03.2009, 14:58

Dann kehren wir den Schuh doch mal um: Was würdet ihr tun? Einfach laufen lassen kann es doch auch nicht sein, oder? Also, her mit den Vorschlägen zur Problemlösung. Einige sind in meinem Beitrag oben bereits angeklungen.

Im übrigen finde ich es ein bisschen unglücklich, wenn Versuche, Gewaltdelikte (von oder gegen Kinder und Jugendliche) zu unterbinden, mit den Aktivitäten der Musik- und Filmindustrie gegen Urheberrechtsverletzungen gleichgesetzt werden. Das macht momentan nicht mal die Politik, die ja sonst zu Vereinfachungen neigt.
Gruß
Olaf
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Lion13
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#11
28.03.2009, 15:16

@Olaf:
Mit Patentlösungen kann ich wohl auch nicht dienen - ich unterstützte aber weitgehend deine Vorschläge bzw. Denkanstöße, die du weiter oben gepostet hast. IMHO wird man aber mit keiner technischen Sperre bei den "Interessenten" für Kinderpornografie irgendetwas erreichen. Dafür müßte man schlichtweg und einfach das Internet abschalten...

Und ich möchte hier keinesfalls irgendetwas bagatellisieren!!! Aber diese genannten Begehrlichkeiten hat die angesprochene Industrie schon angemeldet, wie diverse Beiträge in den Medien berichten. Ich habe diese Einschätzung im allgemeinen Zusammenhang mit dem Thema Zensur in den Medien abgegeben, ohne entsprechende Wertung - das bitte ich zu beachten... Ich denke nicht, daß man sich bei dieser Diskussion nur auf einen der vielen Themenbereiche beschränken muß/kann/soll.
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Wu
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#12
28.03.2009, 15:23

Tom, als Bagatellisierung habe ich es auch nicht empfunden.

Vielleicht ist momentan weniger wichtig, wieviel man mit der Sperre erreicht, sondern welches Zeichen man damit setzt (damit meine ich nicht die Wählerstimmen). Dumm wäre aber, wenn das dabei bleibt und nicht konsequent versucht wird, an die Wurzeln zu gehen, dann erreichen wir tatsächlich nur einen Verlagerungseffekt.

Anderseits teile ich Deine Befürchtung, dass sich auch andere den Ansatz dann zunutze machen. Gerade wenn es um die Musikindustrie geht, sollte diese sich lieber um gute Produkte kümmern, dann stimmt auch der Erlös. Dennoch ist es für mich ein anders gelagertes Thema, ohne dass ich das momentan so richtig begründen kann.
Gruß
Olaf
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.03.2009, 15:24 von Wu.)
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florida4sale
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#13
28.03.2009, 15:30

(28.03.2009, 14:58)Woo schrieb: Das macht momentan nicht mal die Politik, die ja sonst zu Vereinfachungen neigt.

Neee, stimmt - die fahren die Schiene:

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Lion13
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#14
28.03.2009, 15:31

(28.03.2009, 15:23)Woo schrieb: Vielleicht ist momentan weniger wichtig, wieviel man mit der Sperre erreicht, sondern welches Zeichen man damit setzt (damit meine ich nicht die Wählerstimmen). Dumm wäre aber, wenn das dabei bleibt und nicht konsequent versucht wird, an die Wurzeln zu gehen, dann erreichen wir tatsächlich nur einen Verlagerungseffekt.

Hm... Ich muß zugeben, daß ich das aus diesem Blickwinkel noch nicht gesehen habe! Danke für den Denkanstoß - schön, daß so etwas selbst hier möglich ist!

Zitat:Anderseits teile ich Deine Befürchtung, dass sich auch andere den Ansatz dann zunutze machen. Gerade wenn es um die Musikindustrie geht, sollte diese sich lieber um gute Produkte kümmern, dann stimmt auch der Erlös. Dennoch ist es für mich ein anders gelagertes Thema, ohne dass ich das momentan so richtig begründen kann.

Ok, du hast nicht ganz unrecht - letztendlich ist es der berüchtigte Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, auch wenn ich wie gesagt den Gesamt-Zusammenhang im Blick hatte. Aber vielleicht sollte man dieses Thema hier wirklich ausklammern und an anderer Stelle erörtern!
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Wu
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#15
28.03.2009, 15:37

@florida4sale
Vielleicht etwas weniger die Auffassungen anderer zitieren/verlinken? Das wirkt auf mich etwas extrem.

@lion13
Danke, Tom. Ich glaube, wir liegen da gar nicht weit auseinander.
Gruß
Olaf
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.03.2009, 15:38 von Wu.)
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florida4sale
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#16
28.03.2009, 15:42

(28.03.2009, 15:37)Woo schrieb: Das wirkt auf mich etwas extrem.

So ist das auch angedacht - extrem darauf hinweisen, was hier so in Deutscheland abgeht.
Da muß man schon durch ...
Oder man liest es einfach nicht.

Denn Stasi 2.0 wird sowas von extrem, wenn man nicht gegensteuert .... aber sooowas von ...
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.03.2009, 16:06 von florida4sale.)
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#17
28.03.2009, 15:46

Das ist eine sehr verkürzte Sichtweise auf die Dinge. Das kann man so sehen, muss es aber nicht.
Gruß
Olaf
Cool
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